So funktionieren anonyme Tauschbörsen

Die Verfolgung von Musik- und Filmtauschern nimmt zu. Immer mehr Anwender suchen Wege, um sich dem Zugriff der Lobby-Anwälte zu entziehen: Sie anonymisieren ihre Tauschbörsen.

Die Musikindustrie setzt nach. Kaum ist die erste Klagewelle vom Sommer vorüber, geht der Lobbyverband RIAA gegen weitere 80 private Anwender von Tauchbörsen in den USA vor. Dieses Mal bieten die Anwälte den Betroffenen einen vergleich gegen die Zahlung von mehren Tausend Dollar an. Vor Gericht kommen nur die Anwender, die sich nicht auf einen Einigung einlassen.
Das Wall Street Journal fand heraus, dass Musikliebhaber in 1,4 Millionen US-Haushalten aus Angst vor der MP3-Jagt inzwischen ihre digitalen Dateien vernichtet haben. Um nicht wieder schlechte Schlagzeilen zu bekommen hat die US-Musikindustrie (RIAA) jetzt angekündigt, keine weiteren großen Massenklagen anzustrengen, sondern Tauschbörsenanwendern kontinuierlich blaue Briefe zu schicken.

  Offne Festplatten

Im Gegensatz zu den US-Fahndern haben es die deutschen Tauschbörsenjäger schwer.
Denn hierzulande haben wenige Internetanwender eine feste IP-Adresse. Die Fahnder können in einer Tauschbörse Musikstücke laden und dabei feststellen, welche IP-Adresse das Gegenüber hat. Das geht ganz einfach mit dem Befehl netstat im DOS-Fenster. Die Musikdetektive bekommen über den Provider heraus, wem diese IP-Adresse zum besagten Zeitpunkt zugeteilt war - vorausgesetzt, der Provider hat das gespeichert.
Der MP3-Jäger muss Datei für Datei diesen Beweis führen. Bei der nächsten Online-Sitzung hat der Anwender aber eine andere IP-Adresse.
Es wäre ein großer Zufall, wenn er vom selben Häscher unter diesen Umständen ein zweites Mal erwischt würde.
Die Musikindustrie sagt selbst, ihre Jagt auf Grosstauscher beschränken zu wollen. Alles andere macht keinen Sinn. Der typische Anwender, der am Feierabend zwei, drei Stunden Daten tauscht, ist schwer zu erwischen.
Und jetzt ist auch eine weiteres Beweismittel entfallen: Früher konnte jeder in vielen Tauschbörsen ganz einfach prüfen, welche Daten ein Anwender insgesamt tauscht. Das war eine komfortable Funktion: Wenn ich bei einem Tauschpartner einen Song schnell und in guter Qualität ziehen konnte, habe ich nachgesehen was er noch zu bieten hat. Bei modernen Programmversionen ist diese Funktion nicht mehr vorhanden oder der Anbieter kann sie deaktivieren. Bei KaZaA etwa ist sie standardmäßig ausgeschalten (Options/Privacy).

Aber bitte mit Proxy

Aus Angst vor der Drohkulisse, die die RIAA kontinuierlich aufbaut, greifen viele Anwender zu Tauschbörsen mit anonymen Funktionen.
Seit längerem gibt es Filetopia, Freenet und Hopster.
Bei KaZaA oder Morpheus kann der Anwender ebenfalls Vorkehrungen treffen, um anonym zu bleiben.

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